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Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13
Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13
Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13
Ebook266 pages

Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13

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About this ebook

Zum ersten Mal werden Allison und Conny nicht darum gebeten, ein Gespenst zu vertreiben. Stattdessen wollen ihre neuen Klienten den Geist aus ihrem Gartenpavillon wieder zurück. Doch die Suche entpuppt sich als schwieriges Unterfangen. Daran ändert sich auch nichts, als die Mitarbeiter der Kanzlei Harrowmore Souls der Spur bis nach Schottland folgen und unter den Ruinen von Skelbo Castle auf das unfassbare Rätsel der 13 stoßen …
LanguageDeutsch
Release dateOct 27, 2023
ISBN9783038962878
Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13

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    Book preview

    Harrowmore Souls (Band 5) - Miriam Rademacher

    Inhaltsverzeichnis

    Titel

    Informationen zum Buch

    Impressum

    Widmung

    Prolog

    Kapitel 1

    Kapitel 2

    Kapitel 3

    Kapitel 4

    Kapitel 5

    Kapitel 6

    Kapitel 7

    Kapitel 8

    Kapitel 9

    Kapitel 10

    Kapitel 11

    Kapitel 12

    Kapitel 13

    Kapitel 14

    Kapitel 15

    Kapitel 16

    Kapitel 17

    Kapitel 18

    Kapitel 19

    Kapitel 20

    Kapitel 21

    Kapitel 22

    Kapitel 23

    Kapitel 24

    Kapitel 25

    Kapitel 26

    Kapitel 27

    Kapitel 28

    Kapitel 29

    Kapitel 30

    Kapitel 31

    Kapitel 32

    Kapitel 33

    Kapitel 34

    Epilog

    Dank

    Miriam Rademacher

    Harrowmore Souls

    Band 5: Das Ende der 13

    Fantasy

    Harrowmore Souls (Band 5): Das Ende der 13

    Zum ersten Mal werden Allison und Conny nicht darum gebeten, ein Gespenst zu vertreiben. Stattdessen wollen ihre neuen Klienten den Geist aus ihrem Gartenpavillon wieder zurück. Doch die Suche entpuppt sich als schwieriges Unterfangen. Daran ändert sich auch nichts, als die Mitarbeiter der Kanzlei Harrowmore Souls der Spur bis nach Schottland folgen und unter den Ruinen von Skelbo Castle auf das unfassbare Rätsel der 13 stoßen …

    Die Autorin

    Miriam Rademacher, Jahrgang 1973, wuchs auf einem kleinen Barockschloss im Emsland auf und begann früh mit dem Schreiben. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Osnabrück, wo sie an ihren Büchern arbeitet und Tanz unterrichtet. Sie mag Regen, wenn es nach Herbst riecht, es früh dunkel wird und die Printen beim Lesen wieder schmecken. In den letzten Jahren hat sie zahlreiche Kurzgeschichten, Fantasyromane, Krimis, Jugendbücher und ein Bilderbuch für Kinder veröffentlicht.

    www.sternensand-verlag.ch

    info@sternensand-verlag.ch

    1. Auflage, Oktober 2023

    © Sternensand Verlag GmbH, Zürich 2020

    Umschlaggestaltung: Juliane Schneeweiss

    Lektorat / Korrektorat: Sternensand Verlag GmbH | Diana Steigerwald

    Korrektorat: Sternensand Verlag GmbH

    Satz: Sternensand Verlag GmbH

    ISBN (Taschenbuch): 978-3-03896-286-1

    ISBN (epub): 978-3-03896-287-8

    Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

    Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

    Gewidmet all den guten Geistern,

    die mich klammheimlich und unbemerkt begleiten.

    Ich weiß, dass ihr da seid,

    denn sonst hätte der Idiot in dem weißen Wagen

    mir gestern auf dem Parkplatz den Hintern abgefahren!

    Prolog

    Etwa zweieinhalb Jahre zuvor

    Phoebe sah ihre beste Freundin Dana vor sich, die in der winzigen Nische kauerte, und auch die Angst in ihren Augen. Die Sechsundzwanzigjährige mit den strähnigen blonden Haaren hatte die Arme um die Knie geschlungen, was sie noch kindlicher erscheinen ließ als gewöhnlich. Umso wichtiger war es, dass Phoebe Zuversicht ausstrahlte und diese auf Dana übertrug. Also versuchte sie es mit beruhigenden Worten, die sie wie ein Mantra wiederholte.

    »Wir tun das Richtige. Noch nie in unserem Leben war eine Entscheidung so klar.«

    Die Wirkung auf Dana war eher bescheiden. Während Phoebe neuen Zement auf die oberste Reihe aus verschieden großen Steinen auftrug und die nächsten Exemplare zwischen sich selbst und ihrer Freundin aufschichtete, begann Dana zu weinen.

    »Ich schaffe das nicht. Ich werde die Dunkelheit nicht aushalten. Und auch nicht die Einsamkeit.«

    »Du bist doch nicht einsam«, sagte Phoebe. »Wir sind alle in deiner Nähe, wir gehen diesen Weg gemeinsam.«

    »Aber wenn ich es wirklich nicht schaffe, dann ist immer noch Logan da, nicht wahr?« Dana wimmerte. »Er kann es beenden.«

    »Du schaffst es. Denk gar nicht daran, aufzugeben.« Phoebe strich Zement auf die neuen Steine.

    Jetzt war die Mauer fast fertig. Nur noch eine winzige Öffnung verband die zitternde Dana mit einem Leben, in dem sie nicht glücklich gewesen war. Von den Luftlöchern in dem Bauwerk abgesehen, die aus zementierten Gartenschlauchstücken bestanden.

    »Sei tapfer, Dana. Dann werden wir uns bald wiedersehen.« Mit diesen Worten schob Phoebe den letzten Stein an seinen Platz und betrachtete ihr Werk.

    Wenn alles getrocknet war, würde es eine stabile Mauer ergeben. Ein Bollwerk, hinter dem Dana in Sicherheit war. Für immer.

    Phoebe richtete sich mühsam auf und schleppte sich den dunklen Gang entlang, vorbei an elf weiteren frisch gemauerten Wänden. Nun waren nur noch zwei Nischen übrig, die darauf warteten, bezogen zu werden. Die vorletzte, auf die sie zuhielt, war für sie selbst bestimmt.

    Gelassen betrat Phoebe den Raum, der kaum die Größe ihres früheren Kleiderschranks besaß, und platzierte eine verschließbare Metallkassette in einem der hintersten Winkel. Viel befand sich nicht mehr darin, weswegen sie den Schlüssel im Schloss beließ. Sie hatte fast eine Punktlandung hingelegt und das meiste Bargeld bis zum heutigen Tag ausgegeben.

    Mit einem schweren Seufzer sank sie auf die Knie und ignorierte, so gut sie konnte, die brennenden Schmerzen in der Magengegend. Bis zu diesem Moment hatte Phoebe Turner alles tapfer ertragen. Die Jahre des Hungers, der endlos scheinenden Meditationen in eiskaltem Wasser, die zahllosen Entbehrungen hatten sie letztendlich hierhergeführt. Sogar dem quälenden Durst war sie unerschrocken und trotzig begegnet. Doch jetzt, im Übergang zur letzten und dritten Phase auf ihrem Weg, ließ der Schmerz sie fast scheitern.

    »Was immer du in diesem Moment fühlst, ist gut und richtig«, sagte eine warme Stimme.

    Dann sah sie ihn vor ihrer Nische stehen: groß, dunkelhaarig und abgemagert bis auf die Knochen. Seine Haut war selbst bei den schlechten Lichtverhältnissen, die um sie herum herrschten, von einer tiefgelben Farbe.

    »Bist du bereit?«

    Phoebe nickte, formte ihre dürren Beine zu einem Lotossitz und sah ihm dabei zu, wie er, wie zuvor sie bei Danas Nische, Zement verstrich und Steine hineindrückte. Reihe für Reihe entstand auf diese Weise eine Mauer.

    Während er unermüdlich weiterarbeitete, sagte er: »Ich weiß, du willst Erfolg haben und denkst nicht einmal daran, zu scheitern. Aber vergiss nie, dass ich dir keinen Vorwurf machen werde, wenn du das Unternehmen abbrichst. Niemand wird das.«

    »Niemand von uns wird es wagen, zu scheitern. Du hast uns den Weg gelehrt und wir werden ihn gehen.«

    Er hielt kurz inne. »Tatsächlich bin ich mir nicht sicher, ob all unsere Gefährten das Ziel erreichen können. Ihr Wille ist zu schwach. Du hingegen bist immer die Stärkste von allen gewesen. Die eifrigste Schülerin. Deswegen werden wir uns bestimmt wiedersehen. Du gehst mir nur voraus.«

    Phoebe lächelte. Ihre Willensstärke hatte sich tatsächlich als ausreichend erwiesen. Sie bestand, genau wie er, nur noch aus Haut, Knochen und Schmerz.

    Manchmal fühlte sie trotzdem diese Unsicherheit, ob sie wirklich genug gelitten hatte. Doch es war zu spät für Selbstzweifel. Hier, in ihrer Nische, einem finsteren Loch, das sie in mühsamer Arbeit binnen weniger Monate geschaffen hatte, erfüllte sich ihr Schicksal und damit alles, wofür sie so hart gearbeitet hatte.

    Wenn nur dieser entsetzliche Schmerz in ihren Eingeweiden nicht wäre. Sie wünschte sich, die Prozedur würde bereits hinter ihr liegen.

    Die Steinmauer zwischen ihr und ihm wuchs kontinuierlich, und mit ihr die Dunkelheit um sie herum. Der Schimmer seiner Lampe fiel durch eine winzige Öffnung, die ihre letzte Verbindung zur Außenwelt darstellte. Sie konnte sein dunkles Haar sehen, seine hohe Stirn und fing ein letztes Mal seinen sanften Blick auf.

    »Meine wunderbare Phoebe, ich habe dich geliebt«, sagte er, während er den letzten Stein einpasste und sie einschloss.

    Von nun an bis zum Ende der dritten Phase war dies ihr Platz.

    »Das weiß ich«, flüsterte sie und streckte ihre Hand nach der noch feuchten Wand aus. »Deswegen werden wir uns auch bestimmt wiedersehen.«

    »Ich werde nachkommen, sobald ich kann.« Seine Stimme drang nur noch gedämpft zu ihr durch. »Auch, wenn es mir schwerfällt, zurückzubleiben. Ich werde meine Pflicht erfüllen und warten, bis es vollbracht ist.«

    Phoebe hätte geweint, sofern sie noch über genügend Körperflüssigkeiten verfügt hätte. Doch weinen konnte sie schon lange nicht mehr. Mit Beginn der zweiten Phase waren ihr die Tränen abhandengekommen.

    »Auf Wiedersehen«, murmelte sie, tastete nach der Metallkassette und entnahm ihr den für sie einzigen noch wertvollen Gegenstand. Eine Glocke an einem Holzgriff.

    Probehalber ließ sie ein Läuten ertönen, das in der Stille unnatürlich laut klang.

    »Ich lebe noch«, flüsterte sie. »Solange die Glocke läutet, bin ich am Leben.«

    Kapitel 1

    November 2019

    Conny stand vor einer fremden Haustür und unterdrückte ein Gähnen. Seit einer Weile schlief er schlecht und wirre Träume plagten ihn, die schwanden, sobald er erwachte.

    Allison Harrowmore, die Liebe seines verrückten Lebens und Zeitreisende von Geburt an, stand neben ihm und war fit wie ein Turnschuh. Ungeduldig drückte sie die Klingel ein zweites Mal und blickte an der Fassade des hübschen, frei stehenden Einfamilienhauses empor.

    »Warum lassen sie uns warten?«, rief Allison verärgert aus und warf das lange schwarze Haar zurück. »Am Telefon klang es dringend. Haben diese Leute nun ein Geisterproblem, oder nicht?«

    »Vielleicht sind sie nicht zu Hause oder ihr Spuk hat sie im Keller eingeschlossen?«, fragte Conny hoffnungsvoll. Er sehnte sich zurück in sein Bett. »Ich bin dafür, später noch einmal wiederzukommen.«

    In diesem Moment wurde ihnen geöffnet und eine recht junge Frau mit flottem Haarschnitt, der an die späten Zwanzigerjahre erinnerte, stand strahlend vor ihnen.

    »Oh, ich bin ja so froh, dass Sie kommen konnten. Ich bin Courtney Cooper und habe nach Ihnen geschickt. Daniel, das ist mein Mann, also er meint, sie werden uns vermutlich nicht helfen können, aber ich finde, Sie müssen es wenigstens versuchen.«

    Unbeeindruckt von dem Wortschwall folgten Conny und Allison der Hausherrin in einen quadratischen Flur, von dem aus Mrs Cooper sie direkt in ein frisch renoviertes Wohnzimmer mit breiter Fensterfront führte. Der Geruch von Farbe und neuen Teppichen hing in der Luft. Conny trat bis an die bodentiefe Glasscheibe und blickte in einen winterlichen Garten, dessen Zentrum ein Pavillon bildete.

    »Sie sind kürzlich erst in dieses Haus gezogen?«, fragte Conny.

    »Nein, ich wohne schon ewig hier.« Courtney Cooper trat neben ihn und strahlte dabei noch immer wie ein Honigkuchenpferd. Die Dame schien eine wahre Frohnatur zu sein. »Mit kleinen Unterbrechungen, wie ich zugeben muss. Dies ist mein Elternhaus. Während des Studiums und meiner ersten Ehejahre mit Daniel lebte ich in Oxford. Doch jetzt haben wir das Haus geerbt und sind gern nach London zurückgekehrt. Es ist noch viel zu tun, aber die Küche und das Wohnzimmer entsprechen bereits unseren Vorstellungen.«

    »Ja, sehr hübsch.« Allison betrachtete verzückt die Spur aus Staub und Erde, die ihre klobigen Stiefel auf dem cremefarbenen Teppichboden hinterlassen hatten. Dann wandte sie sich an ihre Gastgeberin. »Mrs Cooper, Sie haben sich an unsere Kanzlei Harrowmore Souls gewandt, was üblicherweise bedeutet, dass Sie ein Problem mit einem Geist, Gespenst, Spuk, oder wie immer Sie es nennen wollen, haben. Darf ich um ein paar Einzelheiten bitten?«

    In diesem Moment betrat mit lautem »Hallo« ein hochgewachsener Mann in Jeans und Holzfällerhemd den Raum, küsste Courtney Cooper und schüttelte Connys Hand so heftig, dass dieser die Erschütterung bis in den letzten Wirbel spürte.

    »Willkommen in unserem bescheidenen Heim. Ich bin Daniel. Ich leite die Tischlerei im Anbau des Hauses. Wenn Sie mal einen Schreibtisch oder Wandschrank oder etwas Ähnliches nach Maß benötigen, wenden Sie sich an mich. Ich bin so froh über Ihren Besuch. Courtney bereitet die Angelegenheit große Sorgen.«

    »Davon bin ich überzeugt.« Allison ließ sich in einen hellgrauen Ledersessel fallen.

    Conny konnte die Ironie in ihrem Tonfall deutlich hören, die Coopers allerdings schienen nichts zu bemerken. Sie schleppten einige Trinkgläser, eine Wasserkaraffe und Plätzchen herbei und nötigten Conny, zuerst die Nougathörnchen zu probieren. Die beiden gingen sehr süß miteinander um und waren bestimmt auf dem besten Wege, in ihrem ererbten Heim glücklich zu werden.

    Auf Conny wirkten sie beneidenswert, doch Allison zog ein Gesicht, als ob sie kurz davor wäre, einen Zuckerschock zu erleiden.

    »Wo ist denn nun der lästige Geist, den wir Ihnen abnehmen sollen?«, fragte Allison. Sie wippte mit den Beinen und sah sich suchend im Wohnzimmer um. »Ist er sichtbar oder geräuschvoll, oder zieht er als kalter Luftzug durch die Räume?«

    »Sie ist sichtbar«, sagte Courtney eifrig. »Aber hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Sie sollen uns Phoebe nicht abnehmen. Wir wollen sie wiederhaben.«

    Wäre Conny nicht selbst so verblüfft gewesen, er hätte angesichts der herabfallenden Kinnlade seiner Lebensgefährtin laut gelacht. Und weil es Allison für den Moment die Sprache verschlagen hatte, übernahm er es, eine halbwegs intelligente Frage zu stellen.

    »Ihr Gespenst heißt Phoebe? Woher wissen Sie das? Spricht sie zu Ihnen?«

    Courtney schüttelte energisch den Kopf. »Sie spricht nie ein Wort. Aber ich habe sie bei ihrem ersten Besuch natürlich gleich erkannt. Sie ist ja meine kleine Schwester. War meine kleine Schwester müsste ich wohl sagen, denn da sie nun ein Geist ist, muss ich davon ausgehen, dass sie tot ist, richtig?«

    »Äh … richtig«, sagte Allison und reizte Conny damit erneut zum Lachen.

    Fasziniert beobachtete er, wie alle Überheblichkeit von Allison abfiel. Offensichtlich korrigierte sie ihren ersten Eindruck und entdeckte gerade, um was für erstaunliche Leute es sich bei ihren neuen Auftraggebern handelte.

    »Wenn Ihre Schwester tatsächlich als Geistwesen herumwandelt, ist sie vermutlich tot und hat den Weg ins Jenseits aus unbekannten Gründen abgebrochen oder zumindest unterbrochen.« Allison griff nach ihrem Wasserglas und trank ein paar lange Züge, während ihre Stirn sich in Falten legte. »Und Sie wollen den Geist wiederhaben?«

    »Das ist vermutlich etwas unkonventionell.« Die Hausherrin sah Hilfe suchend zu Conny hinüber, der stumm nickte. »Wir haben gehört, Ihre Kanzlei vertritt die Interessen von Geistwesen und Menschen, die von Spuk betroffen sind. Wir sind von Phoebe nicht betroffen, wir haben sie gern. Und sie fehlt uns.«

    »Ihnen ist also der geliebte Geist Ihrer Schwester abhandengekommen, und Sie erwarten von uns, ihn heil und gesund …« Conny dachte über seine Worte nach. »… oder so ähnlich, zu Ihnen zurückzubringen.«

    »Genau!« Daniel schien sehr glücklich darüber, verstanden worden zu sein. »Wir wollen unsere Phoebe zurück. Sie hat sich ausgesprochen hübsch zwischen Hartriegel und Chinagras gemacht.«

    »Ja, und so einen Geist im Garten hat ja auch nicht jeder«, ergänzte Courtney.

    Allison warf den Coopers einen Blick zu, als ob sie die Welt nicht mehr verstand. Auch Conny konnte sich einen Geist nur schlecht als Gartendekoration vorstellen. Kam da eine neue Mode auf sie zu?

    »Erzählen Sie uns von Phoebe.« Conny griff nach einem weiteren Nougathörnchen.

    Seine Müdigkeit war verflogen. Ihr neuer Auftrag versprach, ein Fall nach seinem Geschmack zu werden, frei von tödlichen Gefahren und ekelerregenden Zwischenfällen. Dies hier würde ein Spaziergang für ihn und Allison. Ein Gartenspaziergang, wohlgemerkt.

    »Also gut.« Courtney überlegte. »Ich denke, es begann etwa zwei Monate nach unserem Einzug. Das war in diesem Sommer. Ich stand am Fenster, wie Sie gerade eben, Mister Bligh, und blickte in den Garten hinunter. Meine Eltern hatten ihn in ihren letzten Jahren ziemlich verwahrlosen lassen. Es ist schwierig, wenn ein Elternteil schusselig wird. Betrifft es aber beide gleichzeitig, ist es für den Besitz nahezu fatal.« Sie setzte ein entschuldigendes Lächeln auf. »Das ganze Haus war in einem furchtbaren Zustand, als wir hierherkamen. Sie haben sich um nichts mehr gekümmert.«

    »So verwirrt wie sie waren, hätten die beiden überhaupt nicht mehr Auto fahren dürfen«, brummte Daniel. »Kein Wunder, dass sie einem Lastwagen die Vorfahrt nahmen. Wenigstens starben sie zusammen.« Er tastete nach der Hand seiner Gattin, die ihn verträumt anlächelte, bevor sie fortfuhr.

    »Ich stand also am Fenster und sah hinaus. Da bemerkte ich plötzlich eine ganz in weiß gekleidete, leicht durchsichtige Gestalt auf den Stufen des Pavillons. Es war eine junge Frau, die dort mit geschlossenen Augen saß wie ein Buddha. Es war solch ein friedliches Bild, mir wurde richtiggehend warm ums Herz.«

    »Sie verspürten keinerlei Angst?«, fragte Allison und sah Courtney gespannt an.

    »Nein. Es war keine bedrohliche Situation. Ich ging hinaus in den Garten und setzte mich ganz leise neben sie. Und mit einem Mal erkannte ich Phoebe. Sie war so hübsch und strahlte einen tiefen Frieden aus. Es tat mir gut, einfach nur neben ihr zu sitzen und Zeit zu verschwenden.«

    »Von da an kam Phoebes Geist regelmäßig«, sagte Courtneys Mann Daniel. »Und fast immer trafen wir sie auf den Stufen des Pavillons an. Manchmal ging sie auch spazieren oder hüpfte ausgelassen über den Rasen. Wir hatten uns an unser Gespenst im Garten gewöhnt, mehr noch: Wir hatten unsere Phoebe lieb gewonnen.«

    »Und jetzt ist sie fort.« Allison schürzte die Lippen.

    »Sie kommt einfach nicht mehr«, rief Courtney aufgeregt. »Und wir sitzen hier herum und fragen uns immerzu, ob sie etwas aufgehalten hat oder ob ihr etwas zugestoßen ist.« Mit einem Mal sah sie nicht mehr zufrieden aus, sondern wie eine Frau voller Sorgen. »Für unsereins gibt es keinen Zugang zu der Welt der Geister. Wir stehen im Abseits und haben zu akzeptieren, ob Phoebe kommt oder geht. Ich komme mir so machtlos vor.«

    Conny biss sich auf die Lippen, um nicht zu grinsen. Für gewöhnlich waren es die Gespenster, die sich hilflos und im Abseits fühlten. Aber die Coopers hatten eben ihre eigene Sicht auf die Dinge.

    »Mrs Cooper.« Allison schien nach den richtigen Worten zu suchen. »Es ist weit schwieriger, einen bestimmten Geist wieder an einen Ort zurückzuholen, als ihn loszuwerden. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wo wir nach Phoebe suchen sollen. Wir können Beschwörungsformeln herunterrattern, Ouija-Bretter durch die Gegend schieben, doch all das wird nichts nützen, wenn Ihre Schwester nicht kooperieren will. Einen Geist dazu zu zwingen, wiederzukehren, ist kniffelig.«

    »Sie müssen sie ja nicht zwingen«, rief Courtney aufgeregt. »Falls sie dort, wo sie jetzt ist, glücklicher sein sollte als in unserem Garten, werde ich mich mit ihrem Fernbleiben abfinden. Aber solange ich nicht weiß, ob sie in Schwierigkeiten steckt, finde ich keine Ruhe.«

    »Für gewöhnlich stößt den Toten nichts Dramatisches mehr zu.« Conny sah, wie Allison fragend eine Braue hob und ihn musterte. Offensichtlich zweifelte sie gerade an seiner Kompetenz, und das zu Recht. Er hatte einfach nur etwas Beruhigendes sagen wollen.

    »Wie und wo starb Phoebe?«, wollte Allison wissen.

    »Das weiß ich nicht«, gab Courtney zu. »Dass sie tot ist, erschließt sich mir nur, weil sie hier herumspukte.«

    »Sie wissen es nicht?« Allison wirkte ein weiteres Mal erstaunt. »Sie war doch Ihre kleine Schwester.«

    »Phoebe war sechs Jahre jünger als meine Frau«, sprang

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