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So sang zu mir der Stacheldraht: KZ-Gedichte
So sang zu mir der Stacheldraht: KZ-Gedichte
So sang zu mir der Stacheldraht: KZ-Gedichte
Ebook219 pages1 hour

So sang zu mir der Stacheldraht: KZ-Gedichte

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About this ebook

Über die Entstehung seiner KZ-Gedichte erzählt Freudmann folgendes:
Sie sind im Lager selbst entstanden. Während ich mit einem Auge auf SS-Posten, Meister und Capo schielte, um nicht überflüssigerweise unbeobachtet zu arbeiten, und das andere Auge auf die Schaufel sah, ließ ich mein drittes, mein geistiges Auge in die Ferne schweifen, in Vergangenheit und Zukunft und so entstanden diese Gedichte bei der Arbeit, und abends, in einen Winkel gedrückt, kritzelte ich sie auf Zementsackpapier.
Sie haben mir über manche schwere Stunde hinweggeholfen. Ich zeigte sie einem Sanitäter, dem sie gefielen. Wir wurden Freunde. Er brachte mich als zweiter Revierschreiber unter. Von da an ging es mir besser. Ich ging nicht mehr auf die Baustelle und mußte meine Gedichte nicht mehr auf Zementpapier schreiben. Natürlich zeigte ich sie auch vielen anderen Kameraden begreiflicherweise nur heimlich.
Ich hielt sie in meinem Bett zwischen zwei Doppelbrettern versteckt. Aber eines Tages waren sie verschwunden. Wahrscheinlich hatte der Kamerad, der unter mir schlief, sie infolge des allgemeinen Papiermangels organisiert. So nannten wir das Klauen, bei dem man nicht erwischt wurde. Durch das öftere Vorlesen hatte ich sie halbwegs in Erinnerung behalten und konnte sie reproduzieren. Ich verlor sie noch ein zweitesmal in Buchenwald, als ich, an Flecktyphus erkrankt, ins Revier aufgenommen und mir alles zwecks Desinfektion abgenommen wurde. Angeblich hätte ich alles nachher zurückbekommen sollen. Ich habe aber nichts wiedergesehen, weder meine Zigaretten noch meine Gedichte
Durch sieben Lager und mindestens dreimal sieben Kontrollen, Leibesvisitationen, Bettdurchsuchungen habe ich sie geschmuggelt, und das war weder leicht noch ungefährlich...

LanguageDeutsch
Release dateOct 26, 2012
ISBN9781301740093
So sang zu mir der Stacheldraht: KZ-Gedichte
Author

Armin Freudmann

Armin Freudmann, geboren am 18. April 1915 in Wien als jüngstes Kind des jüdischen Ehepaars Gottfried und Pauline Freudmann. Schon in jungen Jahren wandte er sich vom jüdischen Glauben ab und der kommunistischen Idee zu. Nach Absolvierung des Gymnasiums begann er das Studium des Maschinenbaus an der Technischen Hochschule in Wien, das er aber nach dem Anschluss Österreichs als Nichtarier abbrechen musste. Wie seinen vier Geschwistern gelang es ihm, das Land vor Kriegsausbruch zu verlassen, er emigrierte 1938 nach Luxemburg, wo er seine erste Frau Sidonie heiratete. 1940 musste das junge Paar nach Brüssel weiterziehen, wo es sich dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung anschloss. Im Oktober 1942 wurden die beiden verhaftet und nach Polen deportiert. Sidonie wurde noch auf dem Transport von ihm getrennt und kurz darauf in einem Vernichtungslager ermordet. Seine Eltern wurden 1942 aus Wien deportiert und in Auschwitz ermordet. Sein Bruder Erich wurde als Widerstandskämpfer in Frankreich verhaftet und kurz vor der Befreiung, vermutlich im KZ Dachau, ermordet. Armin war bis zur Befreiung als Zwangsarbeiter in fünf verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Er überlebte den fast zweimonatigen Todesmarsch vom Konzentrationslager Kittlitztreben (Polen) nach Buchenwald. Es gelang ihm danach, sich der tödlichen Evakuierung des Konzentrationslagers Buchenwalds zu entziehen und, bereits nach der Befreiung, eine Erkrankung an Flecktyphus zu überleben. Zeit seines Lebens schrieb Armin Freudmann – hauptsächlich Gedichte. Dank seiner Frau Annemarie sind sie großteils erhalten geblieben. Die KZ-Gedichte „So sang zu mir der Stacheldraht“ wurden 1992 als Buch veröffentlicht, 2009 folgte „Mein Tabu-Buch“. Die Herausgabe weiterer Gedichte ist in Vorbereitung. In seinen letzten zehn Lebensjahren wandte er sich Armin der theoretischen Mathematik zu und schuf interessante neue Theorien, die jedoch noch nicht veröffentlicht wurden. Er starb im Alter von 63 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit am 26. Dezember 1978 in Wien. (Gottfried Freudmann)

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