Bücher Magazin

WORTE GEBEN & SPRACHE (VER)WANDELN

Als Kind und Jugendliche*r waren Bücher mein Zufluchtsort, mein Versteck, mein „safe space“. Zwischen zwei Buchdeckeln konnte ich in Geschichten eintauchen, Charaktere annehmen und mich aus der Realität träumen. So geht es wahrscheinlich den meisten Menschen, wenn sie lesen. Doch in meiner Realität waren Bücher mein Versuch, mich lebendig zu fühlen. Denn für meine Realität, meine Existenz fehlten mir die Worte. Feminismus kannte ich, meine Mutter hatte mir viel über die Kämpfe der Frauenbewegung und ihre Errungenschaften erzählt. Ich las feministische Bücher der 1980er und -90er Jahre, ich durfte mir die Haare abrasieren und ein „starkes Mädchen“ sein. Das Problem war nur, ich war kein Mädchen. Ich wusste aber auch nicht, was ich war, denn ein Junge war ich sehr sicher auch nicht, heterosexuell sowieso nicht. Aber in keinem Buch, das ich las, kam jemand vor, der so war wie ich. Es dauerte Jahre, Jahrzehnte sogar, voller skandalträchtiger und problematischer medialer Mis-Repräsentation, bis ich nicht nur verstand, dass ich queer und neurodivergent, sondern auch nicht-binär und trans* bin. Es brauchte Geschichten von Menschen, die Ähnliches fühlten und dachten, es brauchte Worte, die beschrieben, was ich erlebte.

Und dann brauchte es Stimmen, die das frisch Gelernte wieder auseinandernahmen, aufrüttelten, die vermeintliche (alte und neue) Wahrheiten in Frage stellten und neue Sichtweisen aufzeigten.

Diesen Stimmen gehören die nächsten Seiten. Stimmen, deren Worte, hätte ich sie früher hören und lesen

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