EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin

ZEITENWENDE

in Witz war das früher – vor allem oder vielleicht auch ausschließlich im Westen Deutschlands – gewesen, zu sagen: Der Russe steht vor der Tür. Ein Witz, der sich über die reaktionäre und mutmaßlich auch rassistische, mindestens aber rassistisch angehauchte Paranoia der Großväter lustig machte und sie als greise Hysteriker dastehen lassen sollte, deren Verstand in der verdienten Kriegsgefangenschaft wohl zu sehr gelitten hatte. Die Großväter ihrerseits trugen den Satz nur mit allerernstester Miene vor und verstanden ihn, wenn er von Grünschnäbeln geäußert wurde, die schlimmstenfalls nicht mal gedient hatten und die die Worte mit spöttischem Unterton aussprachen, gerechtfertigterweise als herablassend, als Beleidigung für ihr Urteilsvermögen, dessen Fundament im echten, heißen Krieg

You’re reading a preview, subscribe to read more.

More from EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin

EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin4 min read
Es ist Liebe!
Oliver Pocher liefert das, was unser Land jetzt braucht: Ehrlichkeit, Offenheit, kompromisslose Klarheit, Kampfbereitschaft und den Überlebenswillen der Verzweifelten. Durch den Schleier unserer Tränen (wegen Mehrwertsteuererhöhung in der Gastronomie
EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin4 min read
»… Und Dann Nischt Wie Raus An' Wannsee!«
Wannsee-Konferenzen sind momentan der letzte Schrei. Zahlreiche Faschingsveranstaltungen standen diesjährig unter dem Motto »Pack die Badehose ein!« – tolle Vorlage fürs Männerballett. Die Vereinsvorstände organisierten entsprechend vorbereitende Kon
EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin4 min read
Abendstimmung oder Glei Didschd Se Nei!
Heinrich musste ich es nicht übersetzen. Er hatte an der Ostsee oft genug Sachsen erlebt, die gebannt den Untergang des roten Sonnenballs am Horizont erwarteten. Wir hatten ihren Satz sogar in unseren Sprachgebrauch übernommen: Glei didschd se nei! −