Beat German

Electro vs. Klassik

In den ersten 15 Jahren seiner Karriere hüllte sich der elektronische Purist Chris Clark in Technik und wagte sich mit IDM-Veröffentlichungen wie „Clarence Park“(2001), „Body Riddle“(2006) und dem hämmernden Techno-Album „Turning Dragon“(2008) in experimentelle Gefilde. Doch hat sich Clark auch zunehmend für die Welt der Soundtracks interessiert, zuletzt kreierte er Scores für die TV-Miniserie „The Last Panthers“und den psychologischen Horrorfilm „Daniel Isn‘t Real“. Nachdem er seine Parameter erweitert hatte, sind neue Arbeitsprozesse in Soloalben wie „Kiri Variations“(2019) und seinen neuesten Longplayer „Playground In A Lake“eingeflossen. Es ist Clarks bislang wohl ehrgeizigstes Werk. Esoterische Konzepte zum Thema Klimawandel durchdringen seine Erzählung. Aufgenommen mit Streicher-Ensembles in Budapest und Berlin, wurden akustisch initiierte Ideen elektronisch manipuliert und damit der Rahmen dessen gesprengt, was er mit früheren Kompositionen gemacht hat.

Beat / Du bist in den letzten Jahren zunehmend in die Welt der Soundtracks eingestiegen. War das etwas, das du aktiv verfolgt hast?

Chris/ Ich bin dem neben den Studioalben nachgegangen, weil man die Möglichkeit hat, mit mehr Musikern aufzunehmen, wenn man an Scores arbeitet, und ich fand, dass es eine schöne Sache ist, die neben der Soloarbeit laufen kann. Die Frustrationen des einen Handwerks fließen in das andere ein. Deshalb neige ich dazu, dass ich eine Soloplatte schreiben will, nachdem ich einen Score aufgenommen habe, weil ich dann wieder machen kann, was ich will.

Beat / Findest du Scores in diesem Sinne einschränkend?

Chris/ Es ist nicht so, dass du mit Soundtracks nicht machen kannst, was du willst, sondern nur, dass man gut darin wird, gewisse Schlachten zu schlagen. Es gibt viele Tricks, um deine Vision mit reinzuschmuggeln, ohne dass sie es merken. Einige würden es als Kompromiss bezeichnen, aber die Einsätze sind höher, wenn man an einem Projekt mit arbeitet, das viel größer ist als ein Soloalbum. Es ist, als würde man eine neue Sprache lernen, und so war es auch bei mir, weil ich plötzlich gezwungen war, Noten vom Blatt zu lesen.

Beat / Wie wirst du durch die Soundtrack-Arbeit denn genau getestet?

Es ist kein Test, bei dem man sich schnell etwas einfallen lassen muss. Man muss eher in der Lage sein, Emotionen zu wecken, um eine

You’re reading a preview, subscribe to read more.

More from Beat German

Beat German2 min read
Podcast aufnehmen Teil 1
Wir öffnen ein leeres Projekt. Einstellungen wie Tempo, Taktart und Tonart spielen beim Podcasting keine Rolle. Wir erstellen zwei Audio-Spuren, da unser Podcast aus zwei Sprecher:innen besteht. Als Eingänge wählen wir Input 1 und Input 2 unseres Aud
Beat German6 min read
Test: Behringer Kobol Expander
Nach den Krisen der letzten Jahre läuft die Produktion bei Behringer wieder auf Hochtouren, monatlich kommt ein neuer Synthesizer auf dem Markt. Neben legendären Klassikern streut Uli dabei auch immer mal wieder einen Exoten wie EDP Wasp oder Octave
Beat German7 min read
Maximaler DIY-Spielplatz
Beat / Seit eurem letzten Album „Trips & Ticks“ sind fast fünf Jahre vergangen. Wie ist es euch seitdem ergangen? Jen / Ja, wir streichen die zwei Corona-Jahre imaginär einfach raus, dann sind es wieder nur drei Jahre – und die brauchen wir immer für