Bücher Magazin

IDENTITÄT ZUR SPRACHE BRINGEN

In ihrem Roman „Zorn und Stille“erzählt Sandra Gugi die Geschichte einer serbischen Gastarbeiterfamilie von den 1980er-bis in die 2000er-Jahre: von den Eltern, die auf ein besseres Leben in Wien hofften; von der Tochter Billy, die die Familie mit 16 Jahren verlässt, um ihren eigenen Weg zu finden; von dem Sohn, der vor Jahren verschwunden ist. Auf 240 Seiten entfaltet sich ein beeindruckendes, komplexes Bild dieser Familie–und immer wieder steht die Frage im Raum, was Heimat, Herkunft und Ankommen eigentlich bedeuten, vor allem wenn ein Krieg in dem Land ausbricht, das man verlassen hat.

Wie ist es zu „Zorn und Stille“gekommen?

Mich hat die Geschichte beschäftigt, weil ich eine biografische Verbindung zu der Zeitgeschichte habe, dadurch dass ich selbst als serbisches Kind oder damals noch jugoslawisches Kind, als Gastarbeiterkind, aufgewachsen bin in Österreich und dann dieses Kriegsgeschehen kam. Ich hatte den Eindruck, dass das nie zur Sprache gekommen ist in der Literatur. Ich wollte nicht direkt über ein Kriegsgeschehen schreiben, ich wollte darüber

You’re reading a preview, subscribe to read more.

More from Bücher Magazin

Bücher Magazin3 min read
Verschwinden
Josef Mengele, der KZ-Arzt von Auschwitz, wurde nie verhaftet. Mit falschen Papieren entkam er nach Argentinien. Dort fand er Anschluss an eine nazideutsche Parallelgesellschaft, in der das mittlere Management des Dritten Reichs unverhohlen von einem
Bücher Magazin2 min read
Book Notes – On Blemishes
About thrice yearly I attempt to read On Earth We’re Briefly Gorgeous, Ocean Vuong’s critically acclaimed novel. It happens at random intervals. Either when the mood strikes or following a warm personal recommendation. In my dismay, I question whethe
Bücher Magazin4 min read
MIT Den Lebenden Verbunden
Für Mischa ist der Tod etwas Alltägliches und etwas Schreckliches zugleich. Der 13-jährige Protagonist in Michael Eberts Debütroman wohnt in einem Krankenhaus, wo seine Mutter als Schwester auf der Intensivstation arbeitet. Bald erfährt man, warum. M