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P.D. JAMES ZUM 100. GEBURTSTAG

Gib mir einen guten Schauplatz und ich schreibe einen Roman“, lautete eine Devise von Phyllis Dorothy James. Die Autorin wurde am 3. August 1920 in Oxford als Tochter eines Steuerprüfers geboren und heiratete 1941 den Arzt Ernest Connor Bantry White, der 1964 in einer psychiatrischen Anstalt als Spätfolge traumatischer Erlebnisse in japanischer Kriegsgefangenschaft Selbstmord beging. P. D. James arbeitete im Gesundheitswesen, um ihre beiden Töchter durchzubringen. Da sie sich während dieser Zeit auch mit kriminalistischen Fragen befassen musste, beschloss sie, „den Motiven von Mördern nachzuspüren und zu analysieren, was Menschen dazu bringt, die Grenzen der Moral und der Gesetze zu überschreiten.“ 1962 erschien ihr Erstling, „Cover her Face“, der 1980 als „Ein Spiel zuviel“ endlich auch auf Deutsch herauskam.

Vier ihrer späteren Romane mit dem ermittelnden Lyriker Adam Dalgliesh waren bereits in den Siebzigerjahren in deutscher Übersetzung erhältlich. Während sie in Großbritannien schon sehr bald als „Grande Dame des Kriminalromans“ gefeiert und für Autorinnen wie Val McDermid zum Vorbild wurde, brauchte sie in Deutschland einen längeren Anlauf zur Bekanntheit. In der Rückschau sah sie diese „Spätzündung“ mit Humor: „Manche halten mich für ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert, das in England Tradition hat, aber nicht auf dem Kontinent.“ In ihren Kriminalromanen – 14 mit Adam Dalgliesh als Ermittler, zwei mit Cordelia Gray, einer der ersten Detektivinnen der Kriminalliteratur – geht es stets um Schuld, Reue, Sühne, Vergebung und Erlösung. Als bekennende Christin, sagte sie, sehe sie darin einen entscheidenden Grund, Krimis zu schreiben: Nicht die Morde selbst stehen dabei im Mittelpunkt, die sie meist sehr zurückhaltend schildert, sondern, neben dem „Whodunit“, vor allem die Frage nach dem Warum. Auch die Forensik spielt bei ihr nicht die gleiche Rolle wie im Werk anderer Autoren. Schauplätze, Charaktere, seelische Abgründe und ein diskreter Sinn für Humor prägen ihren Stil.

Zu ihren persönlichsten Werken zählt der 2002 erschienene Roman „Tod an heiliger Stätte“. In diesem Buch,

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