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GESCHICHTSSCHREIBUNG MIT BLINDEN FLECKEN

Ein Sanatorium ist der Handlungsort von Patrick Quentins Mord im Irrenhaus. Dort lässt sich der Broadwayproduzent Peter Duluth wegen seiner Alkoholsucht behandeln. In letzter Zeit gab es einige Vorkommnisse, die sogar für eine psychiatrische Klinik beunruhigend sind und der Leiter der Klinik bittet den Theatermann Duluth um eine diskrete Nachforschung. „Vielleicht können Sie dadurch, dass Sie mir helfen, auch sich selbst helfen.“ Kurz darauf wird ein Pfleger ermordet – und Amateurdetektiv Peter Duluth ermittelt unter seinen Mitpatienten und dem Personal.

MEHR ALS CHRISTIE UND SAYERS

Geschrieben wurde „Mord im Irrenhaus“ 1936 von dem Autoren-Duo Richard Wilson Webb und Hugh Callingham Wheeler unter dem Pseudonym Patrick Quentin. Erstmals 1989 bei Diogenes erschienen, wurde das Buch nun im Atrium Verlag in ergänzter Übersetzung von Susann sind nun im Atlantik Verlag wieder erhältlich. Verfügbarkeit sei ein wichtiger Aspekt bei Wiederauflagen. „Kaum ein Buch der Reihe um den Gentleman-Ermittler Lord Peter Wimsey von Dorothy L. Sayers ist noch lieferbar – das ist eigentlich unglaublich“, erzählt Rowohlt-Lektorin Lisbeth Körbelin. „Und so haben wir nicht lange überlegt und uns entschlossen, die Reihe im Wunderlich Verlag neu aufzulegen.“ Eine neue Übersetzung der Romane wie wird es dennoch nicht geben. „Die Übersetzungen von Otto Bayer sind sehr gut“, sagt Körbelin. „Dass er die komplette Reihe übersetzt hat, ist ein großes Glück und seine Übersetzungen sind auch ein Stückchen Literaturgeschichte.“ Mit Wiederauflagen wird ein spezielles Publikum bedient: „Sammler und Wiederentdecker, Buchhändler*innen und Leser*innen müssen sich darauf einlassen.“ Außerdem wird mit Wiederauflagen die Geschichte eines Genres abgebildet – zu dem Golden Age gehört neben Christie und Sayers auch die hierzulande weniger bekannte Neuseeländerin Ngaio Marsh, deren Hauptdetektiv Roderick Alleyn wie Lord Whimsey adliger Abstammung ist, aber bei Scotland Yard arbeitet. Ihre Werke wie erscheinen bei Bastei Lübbe in neuer Übersetzung. Dazu gehören aber auch Margery Allingham und Josephine Tey, Nicholas Blake (ein Pseudonym von Cecil Day-Lewis) – die in deutscher Übersetzung alle nur noch antiquarisch erhältlich sind und Raymond Postgate, der bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Mit Golden Age werden Detektivromane zusammengefasst, in denen ein in der Regel adliger oder zumindest wohlhabender Amateurdetektiv Kriminalfälle in einem abgegrenzten Milieu löst. Verbrechen sind weitgehend eine elitäre Angelegenheit, aber längst nicht alle Golden-Age-Kriminalromane sind cosy crimes – und in dem oftmals intendierten Eskapismus, den Beschreibungen und Figuren steckt entgegen anderslautender Erklärungen eine politische Haltung.

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